Die erste und einzige Nacht in Surat Thani endet mit einem Instant
Kaffee. Dann bringt mich Helena zum Bus an den Flughafen und unsere Wege
trennen sich nach dreieinhalb Monaten Gemeinsamkeit.
Der Bus bringt mich und meinen kleinen, nur 10kg schweren Rucksack an
den Flughafen. Der ist in Surat Thani überschaubar groß. Ich muss ein bisschen
umpacken weil der Rucksack 3kg zu viel wiegt. Mit etwas Verspätung hebt der
Flieger ab Richtung Kuala Lumpur. Dort gelandet will ich mir ein Busticket in
das Zentrum der Stadt kaufen, allerdings hab ich noch keine einheimische Währung,
malaysische Ringgit. Das Pärchen, dass im Flieger neben mir saß bezahlt es mir,
sehr nett!
Recht schnell komme ich in das Viertel in dem ich mir eine Bleibe
suchen will, Chinatown. Auf der Suche dahin fällt mir der Fluss auf, der quer
durch die Stadt fließt und an dessen Seite lange, hohe Wände mit Graffiti
bemalt sind. Dann durchquere ich den ersten Markt. Ich finde ein recht
angenehmes Hostel in einer kleinen Seitengasse. Für 5€ gibt es einen Platz
im 8-Bettzimmer ohne Fenster. Dazu Frühstück, Kaffee, Tee, WLAN, PCs usw.
Also einsam wird man hier nicht. Nach einer kurzen Dusche geht es ab ins
Getümmel. Ich schaue noch einmal an den Graffiti Wänden vorbei und treffe zwei
Leute beim malen. Wir verabreden uns für den nächsten Tag um zusammen etwas zu
malen. Um etwas zu Abend zu essen lasse ich mich an einem kleinen Suppenstand
mitten im Markt unter. Es gibt eine ziemlich leckere Nudelsuppe mit einem
großen Löffel drin.
Mit dem kann man gut die Brühe löffeln. Als ich probiere
damit die Nudeln zu essen bemerke ich einen alten Mann der neben mir steht,
grinst und fragt ob er mir helfen kann. Er erklärt mir, das man die Nudeln mit
den Stäbchen isst. Das traut er mir nicht zu und will mir eine Gabel besorgen.
Als ich dann Stäbchen bekomme kann ich ihn zum Glück noch zeigen das ich keine
Gabel brauche. Ein sehr lustiger Mensch!
Danach laufe ich gut gesättigt einfach
mal drauf los, über einen indischen und einen chinesischen Markt, zum Platz der
Unabhängigkeit, dem "Merdeka-Square" und schließlich zu den
Petronas-Towers. Ziemlich beeindruckend das ganze! Drum herum Scharen von
Leuten die ein Foto mit dem Wahrzeichen der Stadt möchten.
Erst nach 12 Uhr
komme ich wieder in meinem Hostel an. Dort sind noch zwei Leute wach mit denen
ich noch ein paar Bier trinke und danach noch mit meinen Eltern skype.
Für den nächsten Tag habe ich mir vorgenommen einen Wald 16km
außerhalb von KL zu besuchen in dem es einen 30m hohen Weg auf Holzbrettern
durch die Baumwipfeln gibt. Das lohnt sich wirklich, von dort oben hat man
einen guten Blick auf die Skyline von KL.
Dann gibt es in dem Park noch einen kleinen Wasserfall, an dem ich
drei einheimische kennen lerne, Fotos mache und natürlich Facebook und Email
Daten austausche.
Das Taxi hat mich in den Park hineingefahren, die 2km raus muss ich
laufen. Auch am Aus-/Eingang des Parks finde ich kein Taxi. Also entschließe
ich mich dazu, mal den Daumen rauszuhalten. Direkt das erste Auto hält an. Der
Fahrer ist super nett und fährt mich bis an die Haltestelle an die ich muss, um
von dort wieder ins Zentrum zu fahren. Er erzählt mir auch das man besser nicht
nachts alleine durch die Straßen laufen soll, er wurde vor zwei Monaten
geschlagen und dann ausgeraubt. Gut, dass ich meinen Nachtspaziergang schon
hinter mir habe. Zurück in KL laufe ich zum Fluss und treffe Sila, Escape und
Slizy, die am malen sind. Es ist schon zu spät, um heute noch etwas zu malen.
Deswegen quatschen wir etwas, gehen essen und sie zeigen mir ein paar Ecken in
der Stadt.
Wir verabreden uns wieder für den nächsten Tag um dann etwas zu
malen.
Ich schlafe wieder mal zu lange, trinke einen Kaffee und mach mich auf
um Slizy und Escape zu treffen. Zwei Damen von den Philippinen, die Escape
schon länger kennt und die auch Künstler sind kommen noch zu uns und schauen
uns zu. Dann kommt noch ein Pärchen aus Japan dazu. Also ein großes
internationales Treffen. Wir erzählen etwas, machen Bilder vor dem Wandbild und
tauschen Kontaktdaten aus.
Slizy hat Architektur studiert und lebt momentan von
Graffiti, also Auftragsarbeiten und Ausstellungen und ist sein eigenes
Klamottenlabel am aufbauen. Escape hat das schon gemacht, steckt aber auch noch
in den Startlöchern. Beide haben momentan Ausstellungen in KL und haben schon
Aufträge für große Firmen gemacht. Es macht wirklich Spaß mit ihnen zusammen zu
malen. Ich bekomme einen Platz in einem großen Gesamtbild, das Escape dann als
eine Art Werbung verwenden will um weitere Aufträge zu bekommen.
Nach dem malen fahren Slizy, sein Bruder und ich zu deren Gegend, die
etwa 40 Minuten außerhalb von Kuala Lumpur liegt. In der Bahn quatscht uns ein
etwas komischer Typ an, der uns seine Lebensgeschichte erzählt. Zwei Freunde
von Slizy holen uns mit dem Auto ab und wir fahren zu einem Restaurant, das super
leckeres Hühnchen mit Buttermilch Soße serviert!
Dann treffen wir noch ein paar andere Freunde und fahren zum Haus der
Familie von Slizy und seinem Bruder. Dort werde ich von seinen drei
Geschwistern und der Mutter herzlich empfangen und ich bekomme, was auch sonst,
Maccharoni mit Käse und Tabasco serviert. Gegessen wird hier im Schneidersitz auf
dem Boden. Da alle sehr gut English sprechen kann man sich gut austauschen und
viel über die Kultur und das Leben der Einheimischen erfahren.
Da der Weiterflug schon gebucht ist fahre ich nachts an den Flughafen
von Kuala Lumpur. Ganz früh am nächsten morgen lande ich in Singapur.
Hier muss ich erst einmal schlafen und erfahre relativ schnell, dass
hier alles etwas teurer als in den bisherigen Ländern ist.
In Singapur angekommen mache ich erst einmal mit der Überwachungs- und
Gesetzesgier eine Begegnung. In der Bahn vom Flughafen in die Stadt hängen
Aufkleber das das essen in der Bahn etwa 500 Dollar Strafe kostet. Da ich die
Nacht nicht viel geschlafen habe suche ich mir ein Hostel und lege mich in die
Lobby und schlafe. Abends mache ich dann einen ausgiebigen Stadtrundgang. Die
Stadt ist wirklich sehr beeindruckend. Viele alte, schicke Häuser aber auch
neue Wolkenkratzer stehen nebeneinander. Das ganze macht die Stadt etwas
ungemütlich. Einerseits die super Architektur, andererseits die pingelige
Reinheit. Es kommt einem vor wie an einem Filmset, wo alle Kulissen für einen
Dreh hingestellt werden und die Menschen auf der Straße die Statisten sind die
sich vorbildlich an die Regeln halten.
Dazu trägt auch die Formel-1-Strecke mitten in der Stadt bei. Als ich
in der Stadt bin werden die letzten Vorbereitungen für den Grand Prix am
kommenden Wochenende getroffen bei dem die Wagen mit etwa 300km/h bei Flutlicht
durch die Stadt donnern.
Am nächsten Morgen setze ich meine Erkundung der Stadt fort. Auf dem
Weg dorthin laufe ich an einem Laden für Autoersatzteile vorbei. Ein älterer
Herr ruft mich bei und ich setze mich zu ihm und seinen drei Kollegen. Wir
reden über den Luxus, in Singapur ein Auto zu besitzen, den Kniefall von Willy
Brandt und so weiter. Nach 1,5h Gespräch, einem leckeren Essen und vier
neuen Freunden mache ich mich auf in die Stadt.
Nach nur zwei Nächten in Singapur fahre ich wieder zurück nach Kuala
Lumpur, um dort noch ein paar Tage bei Slizy und seinen Kollegen zu verbringen.
Dort angekommen verbringe ich noch eine Nacht im Hostel in Kuala Lumpur. Ich
bezahle mein Zimmer und suche einen Stand um etwas zu essen. Nachdem ich
bestellt habe bemerke ich, dass ich nicht genug Geld dabei habe. Ich renne zum
nächsten Bankautomat, aber der und alle umliegenden sind in dieser Zeit
gesperrt. Also gehe ich zurück zum Hostel und frage ob ich den Preis für das
Zimmer zurückbekomme. Da ich bei meinem ersten Besuch in KL auch in diesem
Hostel geschlafen habe kennen mich die Leute dort bereits und geben mir das
Geld, damit ich mein Essen bezahlen kann. Als ich zurück komme steht das Essen
schon auf dem Tisch, zusammen mit einem eiskalten Bier. Die Rennerei hat sich
gelohnt, das Essen schmeckt sehr lecker.
Am nächsten Tag checke ich aus dem
Hostel aus und treffe mich mit Slizy und Escape zum malen. Danach gehen wir in
einen äußerst schicken Club in KL. Die Preise kommen denen in guten deutschen
Diskotheken nah. Die Musik auch. Um 4 Uhr morgens essen wir dann noch in einem
indischen Mamak, einem 24h-Schnellrestaurant. Ab dieser Nacht schlafe ich bei
der Familie von Slizy. Morgens fahren wir in eine Mall in der Nähe, in der
Slizy in einer kleinen Galerie ein paar Kunstwerke ausstellt und verkauft. In
der Mall ist an dem Tag ein kleines Jazz-Festival. Das ganze schauen wir uns
bei einem Bier an. Dann geht es zu dem Restaurant der ganzen Clique. Dort essen
wir etwas und ich treffe ein paar Freunde die ebenfalls Graffitis malen.
Die kommenden Tage verbringe ich mit Slizy und seinem Bruder. Wir
fahren in ein paar weitere Städte, die in der Nähe von KL liegen. Um Geld zu
sparen nehmen wir kein Zimmer in einem Hostel sondern nisten uns in einem
McDonald´s Restaurant in Melaka ein und verbringen dort die Nacht. Morgens
fahren wir weiter in die nächste Stadt, Port Dickson. Wir laufen etwas durch
die Stadt und am Strand entlang um mal ins Meer zu springen. Den Strand säumen
mehr oder weniger verlassene Hotels, wie eine Art „Geisterstadt“. In einer
kleinen Häusersiedlung am Strand essen wir und entdecken alte, kaputte Häuser.
Wir fragen den Besitzer des Grundstücks um Erlaubnis, die Häuser zu besprühen. Wir
machen uns an die Arbeit und toben uns dort aus bis es dunkel wird. Weil an
diesem Abend kein Bus mehr zurück nach KL fährt übernachten wir wieder
teilweise bei McDonald´s.
Zurück in KL steht auch schon fast der Abschied von der Familie bevor.
Etwa eine Woche habe ich insgesamt bei der Familie verbracht und wirklich viel
von der Kultur und der Lebensweise mitbekommen. An meinem letzten Tag in KL
fährt die ganze Familie mit mir von einem Essensstand zum Nächsten. Ich haue
mir noch einmal den Magen voll. Dann steht der Abschied auf unbestimmte Zeit
an.
In Bangkok, um 1 Uhr nachts angekommen, richte ich mich in meinem Bett
im Hostel ein. Bevor ich den Rucksack so richtig abgestellt habe fragen mich
meine Zimmernachbarn, ob ich mit auf die Khao San Road zum feiern komme. Also
los, bis etwa 4 Uhr noch auf die Partymeile.
Dann nochmal auf den riesigen Chatuchak-Markt, ein paar Souvenirs und
Klamotten besorgen. Nach 7 h bin ich damit fertig und habe wieder genug Gepäck.
Mit den Zimmernachbarn geht es abends wieder los, diesmal auf den
Patpong-Markt, um uns von etlichen Verkäufern und Anbietern von PinPongShows
unterhalten zu lassen.
Morgens dröhnt der Kopf weil wir wieder im Club auf der Khao San Road
gelandet sind.
Abends holt mich der Bus am Hostel ab und fährt mich zum Flughafen. Ab
in den Flieger und zurück nach Deutschland. Kann es kaum erwarten alle wieder
zu sehen. Und doch bin ich irgendwie traurig das die Zeit schon vorbei ist.
Helena und meine Eltern holen mich am Flughafen ab, ein verrückter
Moment! Ich bin wieder zuhause. Und verwirrt. Die kommenden Tage werden
stressig, der Auszug aus dem Elternhaus steht an, der Rucksack muss ausgepackt
und die ganzen Erinnerungen noch verarbeitet werden. Nebenbei. Chaos.
Danke fürs Lesen.
chaos0815-crew (Christian Hessel und Helena Petkau)








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