Montag, 31. Dezember 2012

Die letzten zwei Wochen-Malaysia und Singapur


Die erste und einzige Nacht in Surat Thani endet mit einem Instant Kaffee. Dann bringt mich Helena zum Bus an den Flughafen und unsere Wege trennen sich nach dreieinhalb Monaten Gemeinsamkeit. 
Der Bus bringt mich und meinen kleinen, nur 10kg schweren Rucksack an den Flughafen. Der ist in Surat Thani überschaubar groß. Ich muss ein bisschen umpacken weil der Rucksack 3kg zu viel wiegt. Mit etwas Verspätung hebt der Flieger ab Richtung Kuala Lumpur. Dort gelandet will ich mir ein Busticket in das Zentrum der Stadt kaufen, allerdings hab ich noch keine einheimische Währung, malaysische Ringgit. Das Pärchen, dass im Flieger neben mir saß bezahlt es mir, sehr nett!
Recht schnell komme ich in das Viertel in dem ich mir eine Bleibe suchen will, Chinatown. Auf der Suche dahin fällt mir der Fluss auf, der quer durch die Stadt fließt und an dessen Seite lange, hohe Wände mit Graffiti bemalt sind.  Dann durchquere ich den ersten Markt. Ich finde ein recht angenehmes Hostel in einer kleinen Seitengasse. Für 5€ gibt es einen Platz  im 8-Bettzimmer ohne Fenster. Dazu Frühstück, Kaffee, Tee, WLAN, PCs usw. Also einsam wird man hier nicht. Nach einer kurzen Dusche geht es ab ins Getümmel. Ich schaue noch einmal an den Graffiti Wänden vorbei und treffe zwei Leute beim malen. Wir verabreden uns für den nächsten Tag um zusammen etwas zu malen. Um etwas zu Abend zu essen lasse ich mich an einem kleinen Suppenstand mitten im Markt unter. Es gibt eine ziemlich leckere Nudelsuppe mit einem großen Löffel drin. 

Mit dem kann man gut die Brühe löffeln. Als ich probiere damit die Nudeln zu essen bemerke ich einen alten Mann der neben mir steht, grinst und fragt ob er mir helfen kann. Er erklärt mir, das man die Nudeln mit den Stäbchen isst. Das traut er mir nicht zu und will mir eine Gabel besorgen. Als ich dann Stäbchen bekomme kann ich ihn zum Glück noch zeigen das ich keine Gabel brauche. Ein sehr lustiger Mensch! 
Danach laufe ich gut gesättigt einfach mal drauf los, über einen indischen und einen chinesischen Markt, zum Platz der Unabhängigkeit, dem "Merdeka-Square" und schließlich zu den Petronas-Towers. Ziemlich beeindruckend das ganze! Drum herum Scharen von Leuten die ein Foto mit dem Wahrzeichen der Stadt möchten. 

Erst nach 12 Uhr komme ich wieder in meinem Hostel an. Dort sind noch zwei Leute wach mit denen ich noch ein paar Bier trinke und danach noch mit meinen Eltern skype. 
Für den nächsten Tag habe ich mir vorgenommen einen Wald 16km außerhalb von KL zu besuchen in dem es einen 30m hohen Weg auf Holzbrettern durch die Baumwipfeln gibt. Das lohnt sich wirklich, von dort oben hat man einen guten Blick auf die Skyline von KL.

Dann gibt es in dem Park noch einen kleinen Wasserfall, an dem ich drei einheimische kennen lerne, Fotos mache und natürlich Facebook und Email Daten austausche. 

Das Taxi hat mich in den Park hineingefahren, die 2km raus muss ich laufen. Auch am Aus-/Eingang des Parks finde ich kein Taxi. Also entschließe ich mich dazu, mal den Daumen rauszuhalten. Direkt das erste Auto hält an. Der Fahrer ist super nett und fährt mich bis an die Haltestelle an die ich muss, um von dort wieder ins Zentrum zu fahren. Er erzählt mir auch das man besser nicht nachts alleine durch die Straßen laufen soll, er wurde vor zwei Monaten geschlagen und dann ausgeraubt. Gut, dass ich meinen Nachtspaziergang schon hinter mir habe. Zurück in KL laufe ich zum Fluss und treffe Sila, Escape und Slizy, die am malen sind. Es ist schon zu spät, um heute noch etwas zu malen. Deswegen quatschen wir etwas, gehen essen und sie zeigen mir ein paar Ecken in der Stadt. 
Wir verabreden uns wieder für den nächsten Tag um dann etwas zu malen. 
Ich schlafe wieder mal zu lange, trinke einen Kaffee und mach mich auf um Slizy und Escape zu treffen. Zwei Damen von den Philippinen, die Escape schon länger kennt und die auch Künstler sind kommen noch zu uns und schauen uns zu. Dann kommt noch ein Pärchen aus Japan dazu. Also ein großes internationales Treffen. Wir erzählen etwas, machen Bilder vor dem Wandbild und tauschen Kontaktdaten aus.

Slizy hat Architektur studiert und lebt momentan von Graffiti, also Auftragsarbeiten und Ausstellungen und ist sein eigenes Klamottenlabel am aufbauen. Escape hat das schon gemacht, steckt aber auch noch in den Startlöchern. Beide haben momentan Ausstellungen in KL und haben schon Aufträge für große Firmen gemacht. Es macht wirklich Spaß mit ihnen zusammen zu malen. Ich bekomme einen Platz in einem großen Gesamtbild, das Escape dann als eine Art Werbung verwenden will um weitere Aufträge zu bekommen. 


Nach dem malen fahren Slizy, sein Bruder und ich zu deren Gegend, die etwa 40 Minuten außerhalb von Kuala Lumpur liegt. In der Bahn quatscht uns ein etwas komischer Typ an, der uns seine Lebensgeschichte erzählt. Zwei Freunde von Slizy holen uns mit dem Auto ab und wir fahren zu einem Restaurant, das super leckeres Hühnchen mit Buttermilch Soße serviert!
Dann treffen wir noch ein paar andere Freunde und fahren zum Haus der Familie von Slizy und seinem Bruder. Dort werde ich von seinen drei Geschwistern und der Mutter herzlich empfangen und ich bekomme, was auch sonst, Maccharoni mit Käse und Tabasco serviert. Gegessen wird hier im Schneidersitz auf dem Boden. Da alle sehr gut English sprechen kann man sich gut austauschen und viel über die Kultur und das Leben der Einheimischen erfahren. 
Da der Weiterflug schon gebucht ist fahre ich nachts an den Flughafen von Kuala Lumpur. Ganz früh am nächsten morgen lande ich in Singapur. 
Hier muss ich erst einmal schlafen und erfahre relativ schnell, dass hier alles etwas teurer als in den bisherigen Ländern ist. 

In Singapur angekommen mache ich erst einmal mit der Überwachungs- und Gesetzesgier eine Begegnung. In der Bahn vom Flughafen in die Stadt hängen Aufkleber das das essen in der Bahn etwa 500 Dollar Strafe kostet. Da ich die Nacht nicht viel geschlafen habe suche ich mir ein Hostel und lege mich in die Lobby und schlafe. Abends mache ich dann einen ausgiebigen Stadtrundgang. Die Stadt ist wirklich sehr beeindruckend. Viele alte, schicke Häuser aber auch neue Wolkenkratzer stehen nebeneinander. Das ganze macht die Stadt etwas ungemütlich. Einerseits die super Architektur, andererseits die pingelige Reinheit. Es kommt einem vor wie an einem Filmset, wo alle Kulissen für einen Dreh hingestellt werden und die Menschen auf der Straße die Statisten sind die sich vorbildlich an die Regeln halten.

 Dazu trägt auch die Formel-1-Strecke mitten in der Stadt bei. Als ich in der Stadt bin werden die letzten Vorbereitungen für den Grand Prix am kommenden Wochenende getroffen bei dem die Wagen mit etwa 300km/h bei Flutlicht durch die Stadt donnern.

Am nächsten Morgen setze ich meine Erkundung der Stadt fort. Auf dem Weg dorthin laufe ich an einem Laden für Autoersatzteile vorbei. Ein älterer Herr ruft mich bei und ich setze mich zu ihm und seinen drei Kollegen. Wir reden über den Luxus, in Singapur ein Auto zu besitzen, den Kniefall von Willy Brandt und so weiter. Nach 1,5h Gespräch, einem leckeren Essen und vier neuen Freunden mache ich mich auf in die Stadt.


Nach nur zwei Nächten in Singapur fahre ich wieder zurück nach Kuala Lumpur, um dort noch ein paar Tage bei Slizy und seinen Kollegen zu verbringen. Dort angekommen verbringe ich noch eine Nacht im Hostel in Kuala Lumpur. Ich bezahle mein Zimmer und suche einen Stand um etwas zu essen. Nachdem ich bestellt habe bemerke ich, dass ich nicht genug Geld dabei habe. Ich renne zum nächsten Bankautomat, aber der und alle umliegenden sind in dieser Zeit gesperrt. Also gehe ich zurück zum Hostel und frage ob ich den Preis für das Zimmer zurückbekomme. Da ich bei meinem ersten Besuch in KL auch in diesem Hostel geschlafen habe kennen mich die Leute dort bereits und geben mir das Geld, damit ich mein Essen bezahlen kann. Als ich zurück komme steht das Essen schon auf dem Tisch, zusammen mit einem eiskalten Bier. Die Rennerei hat sich gelohnt, das Essen schmeckt sehr lecker. 
Am nächsten Tag checke ich aus dem Hostel aus und treffe mich mit Slizy und Escape zum malen. Danach gehen wir in einen äußerst schicken Club in KL. Die Preise kommen denen in guten deutschen Diskotheken nah. Die Musik auch. Um 4 Uhr morgens essen wir dann noch in einem indischen Mamak, einem 24h-Schnellrestaurant. Ab dieser Nacht schlafe ich bei der Familie von Slizy. Morgens fahren wir in eine Mall in der Nähe, in der Slizy in einer kleinen Galerie ein paar Kunstwerke ausstellt und verkauft. In der Mall ist an dem Tag ein kleines Jazz-Festival. Das ganze schauen wir uns bei einem Bier an. Dann geht es zu dem Restaurant der ganzen Clique. Dort essen wir etwas und ich treffe ein paar Freunde die ebenfalls Graffitis malen.

Die kommenden Tage verbringe ich mit Slizy und seinem Bruder. Wir fahren in ein paar weitere Städte, die in der Nähe von KL liegen. Um Geld zu sparen nehmen wir kein Zimmer in einem Hostel sondern nisten uns in einem McDonald´s Restaurant in Melaka ein und verbringen dort die Nacht. Morgens fahren wir weiter in die nächste Stadt, Port Dickson. Wir laufen etwas durch die Stadt und am Strand entlang um mal ins Meer zu springen. Den Strand säumen mehr oder weniger verlassene Hotels, wie eine Art „Geisterstadt“. In einer kleinen Häusersiedlung am Strand essen wir und entdecken alte, kaputte Häuser. Wir fragen den Besitzer des Grundstücks um Erlaubnis, die Häuser zu besprühen. Wir machen uns an die Arbeit und toben uns dort aus bis es dunkel wird. Weil an diesem Abend kein Bus mehr zurück nach KL fährt übernachten wir wieder teilweise bei McDonald´s.






Zurück in KL steht auch schon fast der Abschied von der Familie bevor. Etwa eine Woche habe ich insgesamt bei der Familie verbracht und wirklich viel von der Kultur und der Lebensweise mitbekommen. An meinem letzten Tag in KL fährt die ganze Familie mit mir von einem Essensstand zum Nächsten. Ich haue mir noch einmal den Magen voll. Dann steht der Abschied auf unbestimmte Zeit an.



In Bangkok, um 1 Uhr nachts angekommen, richte ich mich in meinem Bett im Hostel ein. Bevor ich den Rucksack so richtig abgestellt habe fragen mich meine Zimmernachbarn, ob ich mit auf die Khao San Road zum feiern komme. Also los, bis etwa 4 Uhr noch auf die Partymeile.



Dann nochmal auf den riesigen Chatuchak-Markt, ein paar Souvenirs und Klamotten besorgen. Nach 7 h bin ich damit fertig und habe wieder genug Gepäck. Mit den Zimmernachbarn geht es abends wieder los, diesmal auf den Patpong-Markt, um uns von etlichen Verkäufern und Anbietern von PinPongShows unterhalten zu lassen.

Morgens dröhnt der Kopf weil wir wieder im Club auf der Khao San Road gelandet sind.
Abends holt mich der Bus am Hostel ab und fährt mich zum Flughafen. Ab in den Flieger und zurück nach Deutschland. Kann es kaum erwarten alle wieder zu sehen. Und doch bin ich irgendwie traurig das die Zeit schon vorbei ist.

Helena und meine Eltern holen mich am Flughafen ab, ein verrückter Moment! Ich bin wieder zuhause. Und verwirrt. Die kommenden Tage werden stressig, der Auszug aus dem Elternhaus steht an, der Rucksack muss ausgepackt und die ganzen Erinnerungen noch verarbeitet werden. Nebenbei. Chaos. 
Danke fürs Lesen. 

chaos0815-crew (Christian Hessel und Helena Petkau)